senfgelb und himbeerrot

gitarren malen in der himbeerroten luft
pastellne klänge tönen still – geschwind
zerlaufen sie im sommerwind
der friedlich deinen schönen duft
annimmt.

die nackten körper zittern beben stark und starr
wie äste senfgelb warmen pappellaubs
die nächte heißen sternenstaubs
befeuern lust und liebe – klar
und taub.

nelkengleich verführst du meine zunge
ein geschmack so zärtlich bitter süß und schwer
spült deinen lieben duft durch mund und herz.

und meine trüben sinne voller schmerz
wandeln wahnhaft bis in unsren lungen
atem sich vereint – wie sommerwind und meer.

(April 2018)

ballade vom blumenladen im winter

blumenverkauf läuft nur schleppend
im winter – nach weihnachten
wenn menschen fett und satt und rund sind
von braten und weihnachtssternen.

lichtmangel kappt neujahrsabsatz
im hagel – nach silvester
wenn abgetrennte blumenköpfe
so grau sind wie die tapeten.

das ständige dämmern vergräbt kontraste
die nötig wären
um schattierungen der schönsten blumen

in den engen wohnungen zu zeigen –
wenn meine tage
nicht mehr hell genug zu werden scheinen.

(Januar 2019)

sola unitate

der schwarze schmerz sitzt tief und schwer verbunden
durchzieht das land und alle menschen scharf
ihr grauer gram quellt vor aus kalten wunden
sie ahnen nichts von ihrem trostbedarf.

die sonne scheint, die dunklen wolken sind vergangen
und menschen strömen lichtwärts, wie aus nachtverstecken
geblendet gellend grell – die fenster sind verhangen
als wollten freudentrauertränen sie verdecken.

sie wissen aber nichts von liebe, hass, zufriedenheit
von süßer zärtlichkeit – vom leidenschaftlich brennen
sie haben nie der lebenslust entsagt.

ich darf sie aber nicht verachten im erkennen
von neid zerfressen, niedertrachtgeplagt
weil doch ihr weiter weg – so leicht wie schwer – nach meinem schreit.

(April 2018)