sola unitate

der schwarze schmerz sitzt tief und schwer verbunden
durchzieht das land und alle menschen scharf
ihr grauer gram quellt vor aus kalten wunden
sie ahnen nichts von ihrem trostbedarf.

die sonne scheint, die dunklen wolken sind vergangen
und menschen strömen lichtwärts, wie aus nachtverstecken
geblendet gellend grell – die fenster sind verhangen
als wollten freudentrauertränen sie verdecken.

sie wissen aber nichts von liebe, hass, zufriedenheit
von süßer zärtlichkeit – vom leidenschaftlich brennen
sie haben nie der lebenslust entsagt.

ich darf sie aber nicht verachten im erkennen
von neid zerfressen, niedertrachtgeplagt
weil doch ihr weiter weg – so leicht wie schwer – nach meinem schreit.

(April 2018)

gefühl der nähe

verzweiflung grauen qual und dreck
ich kann nicht schreien was ich spüre
verbrenne grausam mein versteck
in dem ich meine schuld berühre.

edel fühlen – stolz verstrahlen
niemand kennt sich oder mich
nichts steht zwischen scham und prahlen
nichts steht zwischen nacht und licht.

berührung sehnsucht gram und stoß
wir taumeln zwischen nah und weit
getrieben in der liebe weiten schoß
der endet stets in naher einsamkeit. 

(April 2018)

mondlichtstrahlen

meine verse fließen aus den fingern
wie mondlichtstrahlen in die nacht
kathartisch muss ich mich nicht sorgen
du hast mir leidenschaft vermacht.

gefrorner strom gebärt gedankenstau
der falsche fluss gerät ins stocken
damit ich nicht im schlamm verdrecke
musst du mich zärtlich zu dir locken.

frühling frisch des wassers kälte klart
masse wankt ins tiefe tal hinab
ein staudamm hält gewalt zurück
die uns fast lebensfreude gab.

sommersonne dörrt ein flussbett aus
es gibt dich vielleicht gar nicht
auf starrem stein und staub bestattet
gibt es mich vielleicht gar nicht.

(September 2018)